Upwork streicht 24 % der Stellen. Freelancer mit KI-Arbeit verdienen 34 % mehr pro Stunde.
Upwork streicht 24 % der Stellen, KI-Freelancer verdienen angeblich 34 % mehr. Was die Berichte zeigen und was das für One-Person-Agenturen heißt.
Kemal Esensoy·aktualisiert am September 21, 2026
Im Mai hat Upwork der US-Börsenaufsicht gemeldet, dass rund 24 % der Belegschaft gehen. Im Juli kam eine Studie, nach der Freelancer mit KI-Arbeit 34 % mehr pro Stunde verdienen. Im November meldete Upwork 77.000 Kunden weniger als ein Jahr zuvor und einen höheren Quartalsgewinn.
Die Upwork-Entlassungen und die 34 % werden gern als eine Geschichte erzählt: KI macht Freelancing kaputt, außer du lernst KI, dann gewinnst du. Die Geschäftsberichte erzählen etwas Unbequemeres als beide Hälften davon.
Meine eigene Marktplatz-Geschichte spielt auf Fiverr, und die habe ich letztes Jahr komplett aufgeschrieben. Alles, was hier über Upwork steht, stammt aus Pflichtmitteilungen und Pressemitteilungen, also von einer Firma mit einem Aktienkurs, den sie verteidigen muss. Wo das eine Rolle spielt, sage ich es dazu.
Wie die Upwork-Entlassungen wirklich aussehen
Im 8-K vom 7. Mai stehen "approximately 24%" der Gesamtbelegschaft und 16 bis 23 Millionen Dollar Restrukturierungskosten, vor allem Abfindungen. Viele Schlagzeilen haben daraus ein Viertel gemacht.
Erreicht ist bisher weniger. Laut dem aktuellen Quartalsbericht waren es zum 30. September rund 20 %, weitere Kürzungen sollen bis zum 31. Dezember folgen. Der korrekte Satz lautet heute also: Upwork streicht 24 % und hat etwa 20 % schon gestrichen.
Als Grund für die Upwork-Entlassungen nennt die Firma ein effizienteres Betriebsmodell und profitables Wachstum in einer sich verändernden Arbeitswelt. Auf Deutsch: Der Umsatz schrumpft, die Marge darf es nicht.
Die Kunden gehen. Der Quartalsgewinn bleibt.
Das ist Upworks drittes Quartal, veröffentlicht am 2. November:
| Q3 2025 | Q3 2026 | Veränderung | |
|---|---|---|---|
| Gross Services Volume | 1.016,7 Mio. $ | 914,1 Mio. $ | -10 % |
| Aktive Kunden | 794.000 | 717.000 | -10 % |
| GSV pro aktivem Kunden | 5.036 $ | 5.418 $ | +8 % |
| Marketplace Take Rate | 18,9 % | 20,0 % | +1,1 Punkte |
| Nettogewinn | 29,3 Mio. $ | 31,8 Mio. $ | +8 % |
Das Gross Services Volume, kurz GSV, ist alles, was über Upwork gelaufen ist. Es ist in einem Jahr um mehr als 100 Millionen Dollar gefallen. Der Nettogewinn ist trotzdem gestiegen, auch weil die Betriebskosten um 15 % gesunken sind. (Über neun Monate liegt der Nettogewinn weiter 11 % im Minus, zum Feiern gibt es also wenig.)
Den Kundenrückgang erklärt der Bericht mit weniger Neukunden und einer schlechteren Bindung bestehender Kunden. Es kommen also weniger, und es bleiben weniger. Wer bleibt, gibt mehr aus. Das führt Upwork auf eine Verschiebung hin zu ausgabestarken Kunden zurück, dazu auf Wachstum bei Lifted, dem Enterprise-Arm.
Als Freelancer solltest du dir vor allem die Take Rate anschauen. Upwork behält jetzt 20 Cent von jedem Marktplatz-Dollar, vorher waren es 18,9, und die Firma erwartet für den Rest von 2026 weitere Steigerungen. Ein Teil davon kommt aus dem Gebührenmodell: Bei Verträgen seit Mai 2025 zahlen Freelancer 0 bis 15 %, abhängig von Angebot und Nachfrage auf der Plattform. Ältere Verträge laufen weiter mit pauschal 10 %.
Fiverr zeigt dasselbe Muster, nur steiler. In den Q3-Zahlen fielen die aktiven Käufer pro Jahr von 3,3 auf 2,4 Millionen, ein Minus von 25,8 %. Der Marktplatz-Umsatz ging um 24,7 % zurück. Die Ausgaben pro Käufer stiegen um 12,9 % auf 373 Dollar, die Take Rate auf 28,2 %.
Dass die Plattformen einfach verlieren, würde ich deshalb nicht mehr sagen. Sie verlieren kleine Käufer und verlangen mehr von dem, was übrig bleibt. Fiverr nennt außerdem KI-bedingte Störungen bei SEO und SEM und erwartet bis 2027 einen stärkeren Rückgang des Marktplatz-Traffics als bisher gedacht. Ein Marktplatz, der von Google-Traffic lebt, hat dasselbe Problem wie deine Website.
Wie ich 2024 die kleinen Aufträge verschwinden sah
Auf Fiverr bekam ich bis Mitte 2024 täglich Nachrichten. Dann wurden es weniger, und die, die noch kamen, klangen so:
"hey, I made a website with AI and wanted to know if you could fix xxx"
Gefolgt von: Das habe ich in einer Stunde geschafft, das Problem dürfte also nicht viel Arbeit sein. Dann nannte ich meinen Preis, und weg waren sie. Als ich den Fiverr-Beitrag im August 2025 schrieb, lag ich bei etwa zwei Nachrichten pro Woche.
Das ist ein Postfach auf einer Plattform. Über den Markt beweist es nichts. Aber es passt zu dem, was Upworks CEO im August gesagt hat: Weniger komplexe Arbeit wandert weiter in die Automatisierung. Der kleine Fix und die einfache Landingpage: Diese Käufer können heute in zehn Minuten etwas generieren und kommen erst wieder, wenn es kaputtgeht.
Was die 34 % wirklich messen
Das ist der Satz aus Upworks Pressemitteilung zum Future Workforce Index:
"Freelancers performing AI work on the Upwork Marketplace earn 34% more per hour than those not incorporating AI."
Lies ihn langsam. Er vergleicht zwei Gruppen von Freelancern auf Upworks eigener Plattform. Er begleitet nicht dieselben Leute vor und nach dem Einstieg in KI und kann dir deshalb nicht sagen, ob KI irgendjemandes Stundensatz erhöht hat. Wer KI-Integrationen baut, war vielleicht schon vorher teuer. Die Mitteilung nennt keinen Dollarbetrag und sagt nicht, ob Erfahrung oder Auftragsart herausgerechnet wurden. Gemessen wird außerdem KI-Arbeit, und das ist etwas anderes als "AI Skills" im Profil.
Upwork hat dazu ein Interesse am Ergebnis. KI ist einer von drei benannten Wachstumstreibern, und die Zuordnung der Aufträge zu KI-Kategorien hat eine LLM-basierte Pipeline erledigt.
Die nächsten Zeilen derselben Mitteilung sind nützlicher als die Schlagzeile. Generative KI und Creative Production verzeichneten 90 % mehr Vertragsstarts, während die Einnahmen pro Vertrag um 13 % fielen. Freelancer mit komplexerer KI-Arbeit verdienten 45 % mehr als im Vorjahr. KI-gestützte Professional Services wuchsen im Volumen um 72 %, die Einnahmen um 22 %.
Das sind alles Leute, die KI nutzen, und sie laufen in entgegengesetzte Richtungen. Meine Lesart: Die erste Gruppe verkauft das, was das Tool ausspuckt, die zweite die Entscheidung, was damit passieren soll. Das ist meine Schlussfolgerung, denn die Mitteilung definiert die Kategorien nicht. Upwork selbst schreibt nur, dass weniger komplexe KI-Ausführung mit wachsendem Volumen weniger lukrativ werden könnte.
Die Rechnung, die nicht in der Schlagzeile steht
Laut Upwork lag das GSV von Freelancern mit KI-Skills in Q3 auf das Jahr hochgerechnet bei knapp 450 Millionen Dollar, ein Plus von 55 %. Das sind etwa 112 Millionen pro Quartal, rund 12 % der 914 Millionen insgesamt.
Rückwärts gerechnet waren es vor einem Jahr etwa 73 Millionen. Alles andere ging also von rund 944 auf rund 802 Millionen zurück. Etwa 15 % weniger in einem Jahr.
Das ist meine Bierdeckelrechnung auf Basis einer Schätzung, und in "alles andere" steckt auch Lifted, also zitier sie nicht als Upwork-Zahl. Die Richtung ist trotzdem schwer zu bestreiten. Der Aufschlag sitzt auf etwa einem Achtel des Volumens, und die anderen sieben Achtel schrumpfen schneller als die 10 % aus der Schlagzeile.
Es kommen noch mehr Anbieter
Laut demselben Report freelancen inzwischen 38 % der qualifizierten Wissensarbeiter in den USA, ein Jahr zuvor waren es 28 %. 58 % der Festangestellten denken darüber nach, vorher 36 %. Das ist eine Umfrage unter 2.400 US-Beschäftigten aus März und April 2026, durchgeführt von einer Firma, die daran verdient, wenn Menschen freelancen. Über Deutschland sagt sie nichts aus, und Nachdenken ist noch kein Kündigen.
Zieh davon ab, so viel du willst. Selbst wenn nur ein Teil stimmt, kommen neue Anbieter dazu, während die Kundenzahl um 10 % fällt, und das auf einer Plattform, deren Gebühr jetzt mit Angebot und Nachfrage schwankt.
Ich weiß, wie sich das untere Ende dieses Markts anfühlt. Als ich auf Fiverr anfing, fühlte ich mich verloren zwischen unzähligen Freelancern, die alles billiger machten, auch weil sie keine deutschen Steuersätze einpreisen mussten. Meine erste Bewerbung als Fiverr Pro wurde abgelehnt, und ich musste 180 Tage warten, bis ich es noch mal versuchen durfte. Die Angst, dass jemand auf Fiverr es billiger macht, war ein Grund dafür, dass meine erste Website für 250 Euro rausging.
Was ich mit einer One-Person-Agentur jetzt tun würde
Ich habe den Schritt der Plattformen selbst schon gemacht, aus Versehen und aus schlechteren Gründen. 2023 hat mich die Arbeit kaputtgemacht, ich habe gemerkt, dass sich meine Preise seit 2020 nicht geändert hatten, und ich habe sie erhöht. Aus 35 bis 40 Kunden wurden 15 bis 20. Weniger Käufer, mehr von jedem. Ob das bei dir funktioniert, kann ich dir nicht versprechen. Es ist nur dasselbe Muster.
Verkauf die Entscheidung. Wenn dein Ergebnis etwas ist, das ein Kunde nach einer Stunde Mühe aus einem Chatbot bekommt, rechne mit der Gruppe bei minus 13 %. Wenn er dafür zahlt, dass du entscheidest, was gebaut wird, und dafür geradestehst, wenn es schiefgeht, bist du näher an den plus 45 %.
Hör auf, KI als Unterscheidungsmerkmal zu behandeln. Ich betreibe meine ganze One-Person-Agentur mit Claude, und deshalb brauche ich keinen Junior. Ich schaffe damit mehr. Dasselbe Abo kann aber jeder abschließen, also ist es nicht der Grund, warum sich ein Kunde für mich entscheidet.
Behalte die Beziehung selbst. Als ich den Fiverr-Beitrag schrieb, habe ich dort noch Leuten geholfen, verlassen habe ich mich darauf nicht. Eine Plattform, die ihren Anteil erhöht, während ihr Traffic sinkt, ist eine Nebentür. Was bleibt, ist der Kunde, der dich kennt, und das macht Arbeit: Kunden können nicht schätzen, was sie nicht sehen.
Rechne deine eigenen Plattform-Einnahmen durch. Nimm die Einnahmen vom letzten Jahr und teile sie in kleine Fixes und den Rest. Liegt das meiste Geld bei den kleinen Fixes, weißt du jetzt, wo du angreifbar bist.
Was ich nicht weiß
Im Mai sprach Upworks CFO noch von zyklischen und kurzfristigen Faktoren. Im August sprach der CEO von Arbeit, die in die Automatisierung wandert. Fiverr zeigt auf den Such-Traffic. Von außen kann ich das nicht auseinanderhalten, und ich habe auch niemanden gesehen, dem das sauber gelungen ist. Für Q4 erwartet Upwork 169 bis 177 Millionen Dollar Umsatz, nach rund 198 Millionen ein Jahr zuvor, mit einer schnellen Erholung rechnet die Firma also nicht.
Upwork öffnet den Marktplatz außerdem für KI-Agenten als neue Kundengruppe. Der MCP-Server läuft seit August, Agenten haben knapp 50 Millionen Anfragen gestellt, und die Firma schätzt das auf mehr als 3 Millionen Dollar Connects-Umsatz pro Jahr. Was es für eine One-Person-Agentur heißt, wenn auf der anderen Seite Software einkauft, weiß ich noch nicht.
Wie Marktplatz-Einnahmen 2028 aussehen, kann ich dir nicht sagen. Ich kann mir aber anschauen, was du verkaufst, und dir sagen, welche Teile ein Kunde heute schon aus einem Chatbot bekommt. Lass uns reden, wenn das für dich passt.
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Kemal Esensoy
Kemal Esensoy, Gründer von Wunderlandmedia, begann seine Karriere als freiberuflicher Webentwickler und Designer. Er führte Web-Design-Kurse mit über 3.000 Studenten durch. Heute leitet er eine preisgekrönte Full-Stack-Agentur, die sich auf Webentwicklung, SEO und digitales Marketing spezialisiert hat.